Spektakuläres Viet Nam

Weil uns das Wetter im Norden nicht gerade freundlich empfängt, starten wir unter Tage. Phong Nha ist das Höhlen-Mekka schlechthin! Im Nationalpark befinden sich über 300 Höhlen und darunter auch die Son Doong, die als grösste Höhle der Welt gilt. Der grösste Gang ist 5 km lang, 250 m hoch und 150 m breit! Das wollten wir uns nicht entgehen lassen! Leider sind nicht nur die Ausmasse riesig. Um dorthin zu kommen, muss eine 4-Tageswanderung mit 16 Trägern für 3000 Dollar pro Person gebucht werden. Pro Jahr dürfen nur 1000 Touristen hinein und die Anmeldefrist beträgt ein Jahr...

Wir begnügten uns mit der Phong Nha Höhle. Sie ist über den Wasserweg mit dem Boot erreichbar und kann bis 1.5 km tief befahren werden. Sie ist viel länger, jedoch nur bis zu dieser Tiefe als Tourist begehbar. Sie mag nicht die grösste Höhle sein, hat aber trotzdem ihren Charme durch das riesige Eingangsportal und die Reflektionen auf der Wasseroberfläche. Im unteren Bild kann man durch die Personen neben den Stalaktiten erkennen, klein ist diese Höhle definitiv auch nicht.

Wieder zurück an der Oberfläche mussten wir mit bedauern feststellen, dass der Regen anhält. Aber was macht den Regenwald authentischer als Regen? Das satte Grün an den Berghängen schreit förmlich, komm und erforsch mich! Und wer von uns sass nicht auch schon Zuhause in der warmen Stube, sah sich Tierdokumentarfilme an und hat geträumt, wie ein kleiner Forscher durch den tiefen Dschungel zu kämpfen?

Im Regenwald regnets halt.

Und so verkrochen wir uns nicht vor dem Regen, nein wir trotzten ihm und schlugen uns einen Weg durchs Dickicht. Die ersten paar Meter waren noch schön hergerichtete Wege. Da wir exotischen Schweizer Wandervögel jedoch den längsten Weg auswählten, mussten wir schnell feststellen, dass dieser kaum begangen wird. Noch bevor wir den Wasserfall hochklettern mussten, waren unsere Hosen pflutschnass! Regen von oben wiesen unsere Jacken super ab, aber das nasse Gestrüpp im Weg machte den Jeans den Garaus.

Von Phong Nha aus fuhren wir mit dem Bus eine etwas längere Strecke bis nach Ninh Binh. Und hier erwartete uns schon wieder das schöne warme Wetter! Wir schnappten uns gleich wieder einen Roller und düsten damit durch Dörfer, über Brücken, zwischen Reisfelder und Kalkbergen hindurch. Wir besuchten Hoa Lu, die ehemalige Hauptstadt von Vietnam. Gegründet im zehnten und durch Hanoi ersetzt anfangs elftes Jahrhundert, lag sie gut geschützt in Mitten der Kalkstein Berge. Leider ist nicht mehr viel übrig, ausser ein paar Tempelanlagen. Selbst dieses Stadttor ist nur eine Rekonstruktion.

Auf den Spuren der asiatischen Antike

Was früher vor allem zum Schutz verwendet wurde, ist heute eine der Hauptattraktionen der Region. Die kleinen steilen Kalksteinberge bieten beeindruckende Anblicke. Egal ob man eine Bootstour durch die vielen Kanäle, Seen und Höhlen macht, einen Berg erklimmt oder einfach mit dem Roller zwischen ihnen umher kurvt, man kommt aus dem Staunen nicht mehr raus.

Von der trockenen "Ha Long Bay" ab zur nassen Ha Long Bay. Wir fuhren nach Cat Ba und machten von dort aus eine zweitägige Bootsfahrt durch die Lan Ha und die Ha Long Bay. Wir hatten tolles Wetter und ein super neues Boot mit nur 13 weiteren Passagieren erwischt. Zum Vergleich, von der Stadt Ha Long aus sind gut und gerne 100 bis 150 Leute auf einem Boot. Auf unserer Route gab es kaum ein anderes Schiff und wir konnten ungestört im Meer schwimmen, einsame Strände entdecken und zweimal Kajak fahren. Mit dem Kajak erreichten wir Lagunen die nur durch Höhlen mit dem Meer verbunden sind. Es war ein tolles Gefühl auf dem klaren Wasser, umgeben von Fels, Dschungel und Vogelgezwitscher. Insgesamt paddelten wir etwa 3 Stunden durch 6 Lagunen. Erstaunlicherweise gab es mehr Muskelkater im Rücken als in den Armen.

In Vietnam wird Weihnachten nicht gross geschrieben. Es gibt zwar eine christliche Minderheit und jedes Hotel ist für die Touristen mit Blinklichtern geschmückt, aber für Vietnamesen ist es ein Tag wie jeder andere. Unser Weihnachtsmenü waren ein paar Leckereien auf einer Food Tour und zum Abendessen ein Banh Mi auf einer Terrasse. So genossen wir das typisch vietnamesische Eingeklemmte mit Blick auf die brummenden chaotischen Strassen. Carmen gönnte ihrem Gaumen ein bisschen mehr Weihnachten mit einem Zimttee.

Wir hatten beide schnell genug vom Grossstadtdschungel und wir sehnten uns nach der natürlichen Idylle. Wir fanden sie in Mai Châu, einem Zwischenhalt auf dem Weg zur laotischen Grenze. Wir hatten uns bewusst gegen Sapa entschieden, um dem Massentourismus zu entkommen. Es war die absolut richtige Entscheidung! Wir fanden einen Homestay im kleinen Dörfchen Ban Lac und assen jeden Abend mit der Familie. Von dort aus machten wir Ausflüge zu Fuss, mit dem Fahrrad und mit dem Roller. Wir hatten wieder super Glück mit dem Wetter! Angenehme Temperaturen mit Sonnenschein. Auf unserem ersten Ausflug zum Stausee und über einen Pass des Highway 6 fuhren wir etwa 60 km. Wir entdeckten viele kleine Dörfer, einen Wasserfall und ein paar versteckte Reisfelder.

Stausee des schwarzen Flusses

Insgesamt hatten wir für zwei Tage einen Roller, dass beste Fortbewegungsmittel für die nähere Umgebung. Man ist super flexibel und ist unabhängig von irgendwelchen Tourrouten. Am zweiten Tag fuhren wir sogar über 100 km! Immer mit etwa 30 km/h schön am Strassenrand. So konnten wir beide ein bisschen herum glaren und waren ausserhalb der Gefahrenzone. Grundsätzlich gilt: mehr Blech, mehr Vortritt und der mutigere gewinnt, sind beide gleich mutig, verlieren beide. Zum Glück ist hier wieder eher wenig Verkehr. Sobald wir etwas hübsches entdeckten, hielten wir an und liefen ein Stück oder versuchten vielversprechende Seitensträsschen. Manchmal fuhren wir so steile und schmale Wege, dass wir beide innerlich Stossgebete an den Roller, seinen Motor und das Profil der Reifen schickten. Auch Sackgassen waren keine Seltenheit. Oft mussten wir uns dann gut überlegen, wie wir den Roller zum wenden bringen, ohne dass es uns umwirft oder der Roller den Hang runter fällt.

Auf unseren Ausfahrten wurden wir jedoch immer wieder mit atemberaubenden Aussichten belohnt. Zu dieser Jahreszeit sieht man nur ganz ganz selten irgendwo grüne Reisfelder. Üblicherweise ist von August bis Oktober die Erntezeit. Wir waren jedoch mehr als zufrieden mit den leeren Terrassen. Durch das schöne Wetter wurde der Himmel in unzählbaren Spiegeln reflektiert und wir standen des öfteren in Mitten der Felder und waren hin und weg! Vollkommen alleine wanderten wir durch kleine Gruppen von ursprünglichen Häuschen und wurden von den Einheimischen mit grossen neugierigen Augen beobachtet. Mit einem freundlichen "Xin Chào" brach jeweils die kuriose Spannung entweder zu einem Kichern bei jungen Frauen oder zu einem warmen lächelnden "Xin Chào" zurück. Einige kamen dann gleich ins Plaudern und wir verstanden leider kein Wort mehr. :-)

Neben den eindrücklichen Reisfeldern entdeckten wir auch eine Höhle. Nach ca. 1200 Treppenstufen, wussten wir nicht ob die riesige Höhle atemberaubend war oder uns einfach die Puste ausgegangen ist. Es war auf jeden Fall ein mulmiges Gefühl, ganz alleine in dieser riesen Höhle. Für alle Zuhause, die mit uns gerne mitfühlen wollen: etwa 75 mal Treppe steigen und dann in den dunklen Keller sitzen.

Auf all unseren Ausflügen konnten wir schon viele spannende Tätigkeiten der lokalen Bevölkerung beobachten. Von Kühe am Strassenrand schlachten bis 50 Hähne auf einem Roller transportieren. Im schmalen Boot stehend Seegrass vom Flussgrund mit einem Rechen ernten. Barfuss durch den Schlamm watend die Reisterrassen pflügen. Baustellen und Werkstätten mit den primitivsten Werkzeugen. Frauen die an Webstühlen die filigransten Muster webten. Und nun etwas, was wir beide noch nie zuvor gesehen hatten. Eine Frau die Seidenraupenpuppen in Wasser kocht und über eine Vorrichtung die Seide daraus gewinnt.

Von hier aus ging es über zwei kurze Stopps in Son La und Dien Bien Phu zur laotischen Grenze. Die Busfahrten sind immer wieder ein Erlebnis. Man weiss ab der Buchung nicht, ob sie uns verstanden haben, ob es der richtige Bus ist, ob man am Ziel ankommt...


...wir sind jedoch gesund und munter in Laos angekommen! Hier beginnen wir das neue Jahr voll freudiger Erwartung auf neue Abenteuer. Wir wünschen euch einen guten Start ins 2019!




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