Zu Füssen der Vulkane

Aktualisiert: 15. Mai 2019

Wellington, die dritte Wahl. Weil die erste Hauptstadt Russell zum Höllenloch des Pazifik wurde und irgendwie nicht so günstig für den Handel im Landesinnern lag, wurde Auckland zur Hauptstadt gekürt. Schliesslich leben hier die meisten Kiwis. Dabei ist die Rede von Kiwi Nummer zwei, Kiwi Nummer eins hatte bei der Wahl kaum einen Einfluss. (Kiwi Nummer was? Aufklärung gibt es im letzten Blogbeitrag) Als auf der Südinsel der Goldrausch ausbrach und in Otago separatistische Bestrebungen aufkeimten, wollte man die Hauptstadt an einer zentraleren Lage haben. Dort wartete dann sozusagen schon das Dorf Wellington. Mit etwa 200'000 Einwohnern immer noch klein, starteten wir hier unseren Aufenthalt auf der Nordinsel.

Die Städte hier wirken so als würden sie darauf warten, dass es gleich los geht. Gleichzeitig hat man das Gefühl, dass ihre Zeit schon wieder vorbei ist.


Der Tourismus war hier schon früh (bzw. was ist hier schon früh, wenn das Land vor weniger als 200 Jahre gegründet worden ist...) ein Thema. Dazu gehörte in jedem Fall eine Schifffahrt auf dem Whanganui Fluss oder "the rhine of maoriland". Der Vergleich ist jedoch eine masslose Frechheit! Mittlerweile fährt hier kein Schaufelraddampfer mehr die Strecke, so legten wir sie mit unserem Camper zurück. Dieser Fluss ist weltweit der einzige, der juristisch als Person anerkannt wurde. Die hier lebenden Maori sehen den Fluss als ihren Vorfahren und haben nach 140 Verhandlungsjahren endlich ihr Ziel erreicht.

Am Flussufer entlang liegen mehrere Maori Marae, das sind zeremonielle Stätten. Meist steht gleich nebenan eine kleine Kirche aus der Zeit der christlichen Missionare.

Maoris haben für die Entstehung des gesamten Landes tolle Geschichten. Eine davon ist die Geschichte vom Mount Taranaki. Dieser Berggott soll ursprünglich mit den anderen, Ruapehu, Ngauruhoe und Tongariro, im Landesinnern gestanden sein. Taranaki und Tongariro waren beide in den weiblichen Vulkan Pihanga verliebt. Nach einem Streit und weil Pihanga sich für Tongariro entschied, verliess Taranaki die Region. Auf dem Weg nach Süden formte er das Flussbett des Whanganui und wanderte danach an die Westküste. Hier soll er durch die Pouakai Gebirgskette aufgehalten worden sein und steht seitdem dort. Wenn er von Wolken umhüllt ist, weint er um Pihanga. Und so schien er bei unserer Ankunft gerade eine ziemlich traurige Phase durchzumachen. Zum Glück hatten wir mehrere Tage Zeit und er zeigte sich immer mal wieder ein bisschen.

Rund um den schönen Vulkankegel liegt ein dichter, grüner, moosiger Wald. Man nennt ihn "goblin forest" und so wirkt er auch. Hinter jedem Baum erwartet man, dass gleich ein kleiner Gnom hervor springt.

Nach einem sehr starken Regenfall starteten wir das Pouakai Crossing. Dieser Wanderweg führt am Fuss des Taranaki entlang und über das Pouakai Gebirge. Der Weg glich an einigen Orten mehr einem Bach oder See und wir hatten einige lustige Balanceübungen, Weitsprünge und Kletteraktionen zu bewältigen.

Von hier fuhren wir quer durch eine sehr hügelige Landschaft über den "Forgotten World Highway". Die Strasse ist sehr kurvig und mittendrin kommt plötzlich eine 12 Kilometer lange Kiesstrasse. Soviel zum Wort Highway.

Wir hatten immer noch wacklige Beine von der letzten Wanderung, da standen wir schon am Start für das Tongariro Crossing. Weil gerade super Wetterbedingungen herrschten, konnten wir nicht widerstehen.

Am Fusse des Ngauruhoe lag noch etwas Frost von der Nacht als wir los liefen. Aber schon kurze Zeit später zogen wir die warmen Schichten aus. Denn der erste Aufstieg hat es in sich. Wer ganz genau schaut, der erkennt in etwa Bildmitte den Mount Taranaki am Horizont. Auch er scheint gerade in guter Laune zu sein. Kein Wölklein bedeckt seinen Kegel.

Auf der Hochebene geht man zwischen mehreren Vulkankegeln und Kratern. Durch die vielen zeitlich versetzten Ausbrüche sind viele Krater jedoch kaum erkennbar und ziemlich unförmig. Ein Highlight fürs Auge und gleichzeitig ein Tiefpunkt für die Nase sind die Emerald lakes. In Etagen liegen hier drei kleine Seen und stinken fröhlich vor sich her.

Nach den Schwefelfahnen die nach faulen Eiern stanken, war der blaue See eine wahre Nasenfreude. Er sah natürlich auch hübsch aus.

Zum Abschluss konnten wir den riesigen Tauposee bestaunen. Hier beschleicht einem unwillkürlich das Gefühl, dass jetzt noch ein kurzer Abstieg folgt und man es gleich geschafft hat. Leider geht es hier noch 2.5 Stunden hin und her und hin und her und hin und her.

Und hier den See noch von Nahem mit Blick zurück auf das Vulkangebirge. Wir liessen ihn links liegen, weil unsere Gliedmassen nach wärmerem Wasser riefen.

Geothermal. Ein Zauberwort. Oder besser gesagt, wenn irgendwo "Hot pools" steht, funkeln Carmens Augen. Wir hatten einen tollen Campingplatz, mit Zugang zum Thermalbad nebenan. So konnten wir bei der Ankunft und am nächsten Morgen nach dem Aufstehen nochmal in die heissen Pools hüpfen. In den frühen Morgenstunden hatten wir das ganze Thermalbad für uns alleine. Da funkelten sogar Simons Augen.

In nur drei Minuten zu Fuss kann man vom Thermalbad aus, durch ein kleines Tal, die Quelle erreichen. Das ganze Tal liegt in einem immerbestehenden Nebel aus Wasserdampf. Dies ist angeblich die grösste Heisswasserquelle in Neuseeland und es sprudelt unaufhörlich über 90°C heisses Wasser heraus.

Die Gegend hier zwischen Taupo und Rotorua ist ein gefährliches Pflaster. Überall dampft es aus den Wäldern und Tälern. Natürlich sind alle grossen Sehenswürdigkeiten auf privaten Grundstücken, eingezäunt und nur mit Ticket erreichbar. Wir wählten zwei aus und beide boten wirklich schöne und eindrückliche Naturschauspiele. Überall blubberte und dampfte es und die Farben waren extrem knallig.

In Rotorua angekommen, waren wir vor allem vom Stadtpark beeindruckt. Auf den ersten Blick wirkte es wie jeder normale Park. Es hat grosse Wiesenflächen und überall verstreut kleine Gruppen von Bäumen und Büschen. Beim zweiten Blick fällt auf, dass aus gewissen Baumgruppen Dampf hochsteigt oder dass alle mit einem Holzzaun umgeben sind und Warnschilder herumstehen. Sobald man sich nähert, erkennt man die vielen blubbernden Schlammgruben, die sich hinter den Büschen verstecken.

Weil wir auf der Südinsel alle drei Teile von Herr der Ringe geschaut haben, konnten wir nicht widerstehen und mussten uns das Filmset anschauen gehen. In der Nähe von Matamata liegt die Farm, auf welcher das Hobbitdorf gebaut wurde. Wir hatten riesiges Glück mit dem Wetter und den fehlenden Touristen. In der Hochsaison schleusen sie etwa 4000! Touristen pro Tag durch das ehemalige Filmset. Bei unserer Nachmittagsführung waren ausser unserer Gruppe nur zwei andere unterwegs. Insgesamt wurden hier 44 Hobbithöhlen gebaut. Die Höhlen und die Umgebung mit ihren richtigen Gärten sehen aus, als würden hier jeden Moment Hobbits aus den Häusern kommen. Hinter den Türen ist jedoch nicht mehr als ein etwa einen Meter tiefen Holzverschlag. Alle Innenaufnahmen wurden in den Filmstudios gedreht.

Zum Filmset gehört auch ein riesiger Baum, eine Mühle, eine Doppelbogenbrücke und ein Restaurant. Im Restaurant erhält man ein Bier oder Cider und kann sich die schöne Einrichtung zu Gemüte führen.

Vom Film zurück in der Realität fuhren wir zur Coromandle Halbinsel. Diese hat eine Goldgräbervergangenheit und Gegenwart. Die aktuelle Tagebaumine haben wir uns nicht angeschaut, uns interessierten mehr die überwucherten alten Goldgräberrelikte.

Carmens Neugier trieb uns sogar in einen alten Transportstollen, den wir mit unseren Smartphonetaschenlampen durchwanderten. Zum Glück gab es ab und zu ein Fenster im Fels, sonst hätten wir wohl umgedreht.

Die Halbinsel Coromandel ist geprägt durch die Bergkette, die sich über die gesamte Länge zieht. Die Strasse windet sich immer wieder über die Hügel und bietet wunderschöne Blicke über die Buchten.

Die Küste ist felsig und spektakulär oder besteht aus schönen Sandstränden. Die Ostküste ist bekannt für ihren "Hot water beach". Hinter dem Strand hat es eine Heisswasserquelle und fliesst unter dem Sand zum Meer. Gräbt man sich hier ein kleines Loch und lässt ein zwei Wellen Meerwasser hinein, hat man einen schön warmen Pool. Hört sich super romantisch an und wird auch gut vermarktet. Erreicht man den Strand, sind gefühlt hunderttausend Menschen auf einer Fläche von 10 mal 10 Meter gedrängt und schaufeln sich gegenseitig die Löcher zu. Denn Quellen haben es ja meist an sich, dass sie nicht unbedingt sehr breit sind. Es war lustig ihnen zuzuschauen. Unerfahrene Touristen gruben weit weg vom Meer und mussten bald feststellen, dass das Wasser viel zu heiss ist und ihnen beinahe die Füsse verbrennt.

Auf dem Weg in den hohen Norden erkundeten wir die kleine Waipu Höhle. Mit Stirnlampen ausgerüstet kletterten wir über Stalagmiten und überquerten zwei drei mal ein kleines Bächlein. Wir liefen so tief hinein, bis uns kein Tageslicht mehr erreichte. Wir schalteten unsere Stirnlampen aus und waren plötzlich unter Sternenhimmel! Die gesamte Decke der Höhle war bedeckt mit Glühwürmchen. Es war natürlich keine Überraschung, deshalb waren wir ja da. Aber es mit eigenen Augen zu sehen war überwältigend.

Nachdem wir jetzt so ziemlich alles, was die Natur von Neuseeland zu bieten hat, gesehen hatten, entschieden wir uns für etwas kulturelles. Wir fuhren zum Ursprung der Nation, zum Treaty Ground in Waitangi. Hier wurde 1840 ein Vertrag zwischen der britischen Krone und den Maoris geschlossen. Noch heute wird über diesen Vertrag, die Übersetzung, die Umsetzung und die Interpretation gestritten. Der Platz ist eine erhöhte Wiese mit Blick über die Bay of Islands nach Russell. Der aufmerksame Leser erkennt hier wie sich der Bogen schliesst. Auf dieser Wiese trafen sich früher schon Maorihäuptlinge und so unterzeichnete man hier den Vertrag. Auf dem Gelände befindet sich das ehemalige Wohnhaus von James Busby, der den Vertrag schrieb, ein Versammlungshaus, dass zum 100 Jahre Jubiläum gebaut wurde und ein Fahnenmast, mit den Flaggen für Neuseeland, den vereinten Maoristämmen und Grossbritannien.

Gleich in der Nähe steht das grösste zeremonielle Kriegskanu der Welt. In der Maorisprache werden sie Wakas genannt und bieten für bis zu 150 Krieger Platz.

Von etwa 4 Millionen Neuseeländern leben 1.5 Millionen in Auckland und wir wissen nicht genau wieso. Wir haben nichts gefunden, was wir fotografisch festhalten wollten. Deshalb haben wir hier für euch nur noch einen Farnbaum:

Sachen gibts. Man fühlt sich hier manchmal in die Zeit der Dinosaurier zurückversetzt, wenn man durch solch dichte Farnwälder geht. Und apropo Zeitreisen, wir reisen am Mittwoch in die Vergangenheit! Um 22:00 Uhr fliegen wir los und kommen um 15:00 Uhr in L.A. an. Unser Zwischenstopp bevors nach Guatemala geht!


¡Hasta luego, Amigos!

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