Alles Tortilla in Mexiko

Mittlerweile wissen wir, dass nicht alles eine Tortilla ist, nur weil sie so aussieht. Denn eine Tortilla kann befüllt und zusammengeklappt werden und wird so zu einem Taco. Ist sie mit Käse gefüllt und zusammengeklappt, ist es eine Quesadilla. Würde man die Tortilla vierteln, trocknen oder in fett braten, wird sie zu Tortilla-Chips oder Tostadas. Sobald man jetzt noch Käse oder Guacamole oben drauf tut, hat man plötzlich Nachos vor sich. Aber so eine Tortilla kann noch mehr. Gerollt mit einer Sauce übergossen ist es eine Enchilada und wäre es eine Weizentortilla und prall gefüllt mit Fleisch, Bohnen und Reis würde man es Burrito nennen. Wenn jetzt letzteres fritiert wird, hätte man eine Chimichanga in der Hand. Handelt es sich um eine eher dicke Tortilla und man schneidet sie auf und befüllt sie, wird sie zur Gordita. Wow, da verliert man langsam den Überblick oder? Und wisst ihr was? Bestrichen mit Bohnenmus und mit unterschiedlichen Zutaten belegt, bekommt man ein Panucho oder Salbutes. Da wissen wir den genauen Unterschied nicht. Kommt aber Ei ins Spiel, ist es definitv ein Papadzules.

Ausserdem gibt es noch vieles anderes in Teigtaschen, wie Empanadas, Areppas oder in Blätter eingewickelte Tamales. Ihr könnt euch vorstellen, wir haben schon einen riesen durenand im Kopf. Manchmal bestellen wir das eine und wollten eigentlich das andere. Zum Glück ist hier alles köstlich und wir können immer mit einem vollen Bauch ins Bett.

Der Start in Mexiko war ziemlich anstrengend. Ich inspizierte die ganze Nacht die Sanitärenanlagen und kam zum Schluss, dass sie tadellos funktionierten. So konnten wir am Tag darauf mit gutem Gewissen weiterziehen. Wir fuhren von Cancun mit einem Bus, der aus Sicht eines Glaces, wohl temperiert war, nach Chiquila und von dort mit dem Boot nach Holbox (Holbosch). Das ist eine etwa 40x2 km grosse Sandinsel vor der Küste und hat einen beinahe gleich langen Sandstrand. Es gibt ein kleines 1500 Seelen Dorf mit hübschen kleinen Häuschen drauf und ganz viel Sand. Anstelle von Autos fahren hier die meisten mit Golfcarts, Motorrädern oder Velos.

Hier liessen wir ein bisschen die Seele baumeln und bewegten uns zu Fuss oder auf dem Velo. Mal ans Ende der Strasse auf der einen Seite und mal ans Ende der anderen Seite. Auf der einen Seite blieben wir bis es Nacht wurde und wir die Sterne sehen konnten. Denn um diese Uhrzeit beginnt ein seltenes Naturschauspiel. Man muss ein bisschen nachhelfen, aber nennen wir es trotzdem Naturschauspiel. Wenn es ganz dunkel wird, um Neumond herum, kann man am Strand entlang Plankton zum leuchten bringen. Weil das Meer hier so ruhig ist, reicht die Brandung nicht, den Plankton zu aktivieren. Bewegt man jedoch die Füsse oder Hände durchs Wasser, leuchten überall grüne Punkte auf. Es sieht aus wie Glühwürmchen im Wasser.

In die andere Richtung kann man auf einer vorgelagerten Sandbank ewig lang im Meer zu einem Vogelschutzgebiet laufen. Da läuft man plötzlich mitten in riesigen Fischschwärmen oder an Rochen vorbei. Wir sind zum Glück während Ebbe losgelaufen und hatten zwischen durch trockene Abschnitte. Auf dem Rückweg gab es dann schon Stellen, an welchen wir hüfttief im Wasser waren und trotzdem kamen uns andere Touris entgegen, die noch rausgehen wollten.

Nach soviel Sand reisten wir ins Inland nach Valladolid. Einem hübschen Städtchen am Knotenpunkt der Yucatan Halbinsel. Benannt nach der Schwesterstadt in Spanien, die zu dieser Zeit die Hauptstadt Spaniens war.

Wir haben uns sofort ein bisschen in die mexikanischen Städte hier verliebt. Beinahe alle Häuser sind einstöckig und in seltenen Fällen haben sie ein zweites Stockwerk. Alles ist in schönen Farben angemalt, überall hat es Pflanzen und die Menschen sind unendlich freundlich. Nur die Temperatur haben sie hier nicht im Griff. Es hat tendenziell immer etwa 10° zu viel draussen und 10° zu wenig drinnen.

Durch die gute Lage von Valladolid, kann man hier viele Ausflüge machen. Zum Beispiel nach Rio Lagartos. Ein Dorf, dass laut Bezeichnung an einem Fluss voller Alligatoren sein müsste. Es liegt aber eigentlich an einer langen Lagune voll Brackwasser. Gespiesen durch das salzige Meerwasser und das Süsswasser von unterirdischen Flüssen. Auf einer Bootsfahrt durch die Mangrovenwälder konnten wir unterschiedlichste Vogelarten beobachten. Und an unserer Zieldestination nach einem Marsch durch karges Gelände sogar Flamingos! Auf dem Rückweg durften wir das «Maya-Bad» ausprobieren, wobei wir unsere Beine (nicht den ganzen Körper, wie von unserem Guide vorgeschlagen) mit dem grauen Schlamm vollschmierten.

Neben den Vögeln sahen wir sehr ungewöhnliche Krebspanzer und ein schwimmendes Krokodil.

Ek Balam (Stern Jaguar) war unsere erste Ruinenstädte der Maya. Man vermutet, dass die Siedlung um etwa 200 n. Chr. gegründet und bis zur spanischen Eroberung im 16. Jahrhundert bewohnt war. Das höchste Gebäude hier heisst «Weisses Haus des Lernens» und ist eines der Letzten, dass man auf Yucatan besteigen darf. Die meisten Ruinen sind mittlerweile aus Sicherheitsgründen für und gegen Touristen geschützt. Ek Balam ist berühmt für ein riesiges erhaltenes Stuckrelief, mit plastischen Figuren. Erst durch einen umstürzenden Baum, der mit seinen Wurzeln eine Wand mit sich riss, wurde dieses verdeckte Kunstwerk wieder sichtbar. Es ist unglaublich spannend, zwischen diesen monumentalen Bauten umherzugehen.

Auf dem Bild mit den sich gegenüberstehenden Gebäuden, die aussehen wie flache Tribünen, seht ihr ein Spielfeld für die Maya-Ballsportart Pitzi. Hier haben angeblich zwei Teams mit ungefähr 5 Spielern und einem Kapitän gegeneinander mit einem Kautschukball gespielt. Interessanterweise durfte der Ball nur mit den Knien, der Hüfte und dem Ellenbogen gespielt werden. Ziel war es, den Ball ohne Bodenberührung durch einen vertikalen Ring zu schiessen, der aus den jeweiligen Tribünen hervorstand. Solche Plätze sieht man an fast allen Ruinenstätten.

Von der Spitze des Hauptgebäude aus, hat man eine atemberaubende Aussicht. Und dies nicht nur, weil es cheibe steil 31 Meter hoch geht. Hier wird einem richtig bewusst, wie flach die Halbinsel ist. Und soweit das Auge reicht, sieht man nur bewaldete Fläche.

Gleich in der Nähe gibt es eine Cenote oder auf deutsch Doline/Karsthöhle. Hier können wir noch einen grösseren Schwung in die Erdgeschichte machen. Im Norden der Yucatan Halbinsel schlug nämlich vor mehr als 60 Millionen Jahren ein Asteroid ein und hinterliess einen Krater von knapp 190 km Durchmesser! Er hat anscheinend massgeblich zum aussterben der Dinosaurier beigetragen und nebenbei dafür gesorgt, dass es hier perfekte Bedingungen für Karsthöhlen gibt. Die Halbinsel ist durchzogen von unterirdischen Flüssen und man hat schon etwa 1000 km Höhlen entdeckt. Stürzt ein Teil einer solchen ein, entsteht eine Cenote. Diese wurden von den Mayas als Tore zur Unterwelt und als Wasserquelle verehrt. Noch heute haben sie eine grosse Bedeutung in der Region. Nämlich als Badi, um dieser Sauhitze zu entkommen. Auch wir genossen einen Schwumm.

Zwischen Valladolid und Mérida liegt Chichén Itzá. Es handelt sich um eine der grössten Ruinenstätten auf Yucatan und ist geprägt durch unterschiedliche Architekturstile. Durch sich widersprechende Geschichtsquellen der Spanier, Fundstücke der Ausgrabungen und Inschriften der Maya‘s, ist man sich über die wahre Geschichte ziemlich unschlüssig. Man geht davon aus, dass die Stadt mal unter der Herrschaft von Ek Balam stand und ein paar Eckdaten sind auch gesichert aber im Grossen und Ganzen ist das meiste reine Interpretationssache. Die Ruinen sind deshalb auch oft einfach nummeriert oder nach auffälligen Begebenheiten benannt. Meist steht auf den Infotafeln etwas im Stil von: «Hier steht ein Gebäude, dass wahrscheinlich eine Wohnung einer Adelsfamilie war oder eine Küche für die Könige. Vielleicht handelt es sich auch um ein Lebensmittellager oder die Armenküche. Es könnte natürlich auch ein Supermarkt oder eine Tankstelle gewesen sein. Wir sind uns aber sicher, dass es im entferntesten etwas mit Essen zu tun hat, weil wir hier viele Tonscherben gefunden haben.»

Nicht alle Ruinen stammen aber aus all zu ferner Vergangenheit. In den Städten ist man sich nie so sicher, ob hinter jeder Fassade wirklich noch etwas bewohnbares vorhanden ist. Aber selbst Merida, die Hauptstadt von Yucatán, mit ihren knapp einer Million Einwohnern ist sehr angenehm zu erkunden. Denn auch hier sind die meisten Häuser maximal ein bis zwei Stockwerke hoch und versprühen einen Dorfcharakter.

In Uxmal (Uschmal) wird man direkt am Eingang der Ruinen von einer mächtigen Pyramide empfangen. Die Pyramide des Zauberers besteht aus fünf aufeinander aufbauenden Tempelgebäuden. Wobei man auch hier bis jetzt kaum eine Ahnung der Bedeutung hat. Es gibt aber eine lustige Legende zur Pyramide: Eine Hexe hatte keine Kinder und suchte sich deshalb ein Ei, aus welchem ein Zwerg schlüpfte. Sie schickte ihren Zwergensohn zum König, um diesen herauszufordern. Nach einigem Kräftemessen kam es zur finalen Kraftprobe. Jeder sollte auf dem Kopf des anderen hartes Holz zerbrechen. Die Hexe legte dem Zwerg eine verzauberte Tortilla auf den Kopf und somit machte es ihm nichts aus. Der Schädel des Königs brach jedoch in Stücke und so wurde der Zwerg König.

Nach all den Ruinen unternahmen wir einen Ausflug in die gelbe Stadt Izamal. Ein Städtchen mit etwa 16‘000 Einwohnern und einem komplett in gelb gehaltenem Stadtzentrum. Die grosse Kirche und alle Häuser im Umkreis sind im gleichen Gelbton bemalt und mit weisser Farbe leicht verziert. Zwischen den Häusern findet man mehrere kleinere und eine grosse Maya Pyramide. Die grosse Pyramide ist freizugänglich und anscheinend ein sehr beliebtes Ausflugsziel für Mexikaner. Man hat eine tolle Aussicht über die Stadt und das Umland. Es herrscht eine ausgelassene Stimmung und alle haben einen heiden Spass, beim Besteigen der steilen Treppen.

In Campeche gibt es zum Glück wieder ein bisschen Abwechslung bei den Fassadenfarben. Aber viel mehr, als hübsche Fassaden und eine Stadtmauer gibt es hier nicht. Wir geniessen gutes Essen und angenehme Temperaturen. Denn hier hat man vom Hurrikan Agatha kaum etwas gespürt. Vor unserer Ankunft hat es ein paar Tage durchgeregnet und seit wir hier sind hatten wir einmal kurz heftigen Regen und danach wieder gutes Wetter. Heftiger Regen bedeutet hier aber auch, dass die Strassen gleich alle unterwasser stehen. So verstehen wir jetzt, wieso die Trottoirs hier manchmal beinahe einen halben Meter über Strassen Niveau sind.

Nach einer Mayalegende gab es mal einen super übermotivierten Mann. Der wollte in allem immer der Beste sein und war es auch. Als er in ein Dorf kam, wollten alle Männer so sein wie er und alle Damen wollten mit ihm sein. Obwohl man bis anhin allem einfach sagen konnte, wohin es soll und es selbst dahin ging. Wollte der Mann die Steine und das Holz für sein Haus selber tragen. Seit diesem Tag, kann man den Dingen nicht mehr sagen, wohin sie sollen und so entstand Arbeit. Alles dank eines total übermütigen Mannes in Mexiko. Danke. Danke viel mol…


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