Weisser Gipfel & blaue Füsse

Nach all den Wanderungen haben wir uns eine Entspannung verdient. In Baños, was soviel wie Bäder heisst, gibt es einige Thermalbäder. Wir entschieden uns für eines eher ein bisschen ausserhalb. Hier ist es nicht so piekfein dafür viel authentischer mit ausschliesslich Einheimischen. Es herrschte Badekappenpflicht und deshalb gab es vor dem Bad auch unzählige Badekappenverkaufsstände.

Baños liegt an der Amazonasseite der Anden auf nur 1800 Meter über Meer. Das Klima ist wärmer und feuchter. Die Vegetation üppiger und grüner. Ach ja, auf einem der Bilder ist keine Dorfansicht aber ein sauber organisierter Friedhof wie man ihn sonst hier sieht und der Brunnen ist die alte Kleiderwaschmaschine des Dorfes.

Wir machten eine Velotour und erkundeten das Tal. Eigentlich mussten wir das Velo einfach nur das Tal runterrollen lassen und die Aussicht auf die Wasserfälle geniessen. In Rio Verde angekommen sassen wir mit den Velos hinten auf einen Lastwagen und liessen uns für zwei Dollar zurückfahren.

Nach der Entspannung folgte unser bislang höchster Ausflug. Beim Buchen der Tour waren wir erst ein bisschen unsicher. Die Adresse des Tourbüros führte uns in einen grossen Stoffladen. Als wir uns da erkundigten, rief die Verkäuferin einen Mann an und überreichte uns das Telefon. Dieser sagte er komme in zwanzig Minuten, wir sollen doch im oberen Stock warten. Da schauten wir einem Angestellten beim Stoffe zuschneiden zu, bis der Touranbieter kam. Das Buchen dauerte anschliessend etwa zwei Stunden mit Helmanprobe und Velotestfahrt auf dem Hausdach. Das Unsicherheitsgefühl legte sich langsam wieder.

Am nächsten Tag bezwangen wir den Chimborazo. Gut nicht ganz aber immerhin über 5100 Meter von den unglaublichen 6263 Metern! Es ist vielleicht nicht der höchste Berg der Welt aber der höchste Punkt. Da die Erde eigentlich keine Kugel ist und durch die Rotation zu einem Ellipsoid wird, befindet sich die Spitze des Chimborazos um zwei Kilometer weiter vom Erdkern entfernt als der Mount Everest. Das muss man erst mal gedanklich verdauen. Deshalb hier den Blick in die Weiten schweifen lassen:

Von hier oben konnten wir mit dem Bike alles runter rasen bis nach Riobamba! Dazwischen lagen nur unzählige Fotostops, zwei kleine Steigungen und eine kurze Seitenwanderung zu einem Polylepsis-Wald. Das ist eine Baumart, die findet man nur in den südamerikanischen Anden und bildet die höchstgelegenen Wälder der Welt.

Auf dem Weg begegneten wir auch Vikunjas, einer geschützten meist wild lebenden Lama-Art. Hier in Ecuador ist die Population sehr gering und entstammt aus einem Wiederansiedlungsprogramm. In Peru werden die frei lebenden Tiere zum Beispiel traditionell alle zwei Jahre zusammengetrieben und geschoren. Vikunjawolle gilt als die teuerste Wolle der Welt. Da kann ein Pullover schnell mal 2000 bis 3000 Franken kosten!

Unser südlichster Abstecher in Ecuador war in Cuenca. Auf deutsch heisst die Stadt Becken und liegt wie alle anderen grösseren Andenstädte in einem Hochlandbecken auf etwa 2600 Meter. Hier waren schon die Kulturen zur Zeit der Inkas aktiv und deshalb findet man in der Innenstadt Ruinen dieser Zeit. Leider erkannte man erst später den Wert der Ruinen und so steht in der Mitte ein altes Gebäude. Heute ist daneben ein Kunst- und Kulturmuseum sowie ein kleiner botanischer Garten mit einheimischen Pflanzen.

Cuenca ist das Zentrum der Produktion für Panama-Hüte die eigentlich "Sombrero de paja toquilla" heissen. Da früher jedoch der Export nach Europa und die USA über Panama lief, waren überall die Panamastempel auf den Paketen. Die Stadt soll angeblich 52 Kirchen haben. Wir können etwa 10 bis 20 bestätigen. Es scheint jedoch wirklich beinahe an jeder Ecke einen Kirchturm oder ein Kreuz auf dem Dach zu haben.

Die Wanderlust lies uns auch in Cuenca nicht los. So machten wir uns auf zum Cajas Nationalpark. Dies ist ein riesiges Feuchtgebiet mit etwa 270 kleinen Seen. Hier erklommen wir den 4264 Meter hohen Cerro San Luis und umrundeten ein paar der Tümpel. Im Park leben einige endemische und geschützte Tiere und Pflanzen. Wir hatten sogar das Glück einen Andenwolf (bzw. Fuchs) zu sehen!

Nach so viel Berg rief das Meer und wir folgten dem Ruf. Wir düsten mit dem Bus die Anden runter an die Pazifikküste nach Puerto Lopez. Den Schönheitspreis hat auch dieses Dorf nicht gewonnen. Man fühlt sich jedoch einfach Wohl in der Nähe des Meeres. Erst machten wir eine Trockenübung an der Küste entlang.

Danach ging es auf einer Bootstour ins kühle Nass. Wir fuhren zur Isla de la Plata und starteten die Suche nach einem blaufuss Tölpel. (Für alle Kindsköpfe – Jan, du – da draussen, lasst euch den Namen von Google Translate auf Englisch übersetzen.) Die Suche gestaltete sich einfacher als gedacht und wir fanden unendlich viele und vor allem in allen Wachstumsstadien.

Ausserdem entdeckten wir Krebse am Strand, Schildkröten in der Bucht und Fregattvögel auf Büschen. Die Fregattvogelmännchen blasen zur Balz einen knall roten Beutel am Hals auf.

Das Grande Finale fand jedoch auf dem offenen Meer statt. Hier sahen wir mehrere Buckelwale mit Jungtieren! Sie kamen Luftholen, zeigten ihre Flossen oder sprangen sogar aus dem Wasser.

Zum Abschluss gönnten wir uns eine vierzehnstündige Andenrundfahrt und entspannen die letzten zwei Tage in Otavalo, weil es so schön war. Habt ihr euch auch vorgestellt, dass es hier vielleicht zwei drei Überlandbusunternehmen gibt?

Wir befinden uns jetzt in der Stadt des Friedens oder besser bekannt als La Paz in Bolivien.

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