Welcome to the Jungle

Je länger wir in diesem wunderbaren Land unterwegs sind, desto mehr sind wir beeindruckt. Nicht nur von der Natur selbst sondern auch wie die Menschen und die Politik mit ihr umgehen. Über ein Viertel der Fläche von Costa Rica steht unter Naturschutz. Wir haben auf unserer ganzen Reise kein Röhrli aus Plastik und keine Plastiktüte in die Finger bekommen. Alles scheint aus nachwachsenden Ressourcen zu sein und/oder kann kompostiert werden. In den Nationalparks sind zum Beispiel Einwegflaschen verboten und man muss auffüllbare Flaschen mitnehmen. Auch der Strom kommt beinahe zu 100 Prozent von erneuerbaren Energien. Allen voran Wasser, Geothermie und Wind. Und wo findet man diese drei Quellen gleich nebeneinander? Da wo wir das letzte Mal aufgehört haben, beim Vulkan Arenal.

Tatsächlich haben sich die Wolken plötzlich für ein paar Stunden verzogen und wir konnten diesen beeindruckenden aktiven Kegelvulkan bewundern. Da wir in El Castillo schliefen, einem ziemlich abgelegenen Dörfchen, versuchten wir uns mit Autostopp (nachdem wir an der Strassenkreuzung erfuhren, dass am Sonntag kein Bus fährt). Es klappte überraschenderweise hervorragend. Im National Park folgten wir einem kleinen Weg durch relativ jungen Wald. Auf einem mehrere Meter hohen alten Lavastrom aus dem Jahr 1968 hatten wir eine tolle Aussicht über den Stausee. Obwohl die letzte Eruption im Jahr 2010 war, ist es immer noch zu gefährlich, um weiter hoch zu wandern. Deshalb ging es auf einem Rundweg wieder zurück zur Ranger Station vorbei an einem 30 Meter hohen und 400 Jahre alten Baum.

Mit einem Boot und Bus reisten wir weiter in den Nebelwald bei Monteverde. Was ist der Unterschied zwischen Regenwald und Nebelwald fragt ihr euch? Im einen regnet es und im anderen regnet es auch. Nur hat es im Letzteren auch noch ständig Nebel. Es ist also sozusagen 360° feucht. Das sieht man auch den Bäumen an. Sie sind vollkommen bedeckt von Aufsitzerpflanzen, Moosen und Flechten. Das trifft nicht nur auf lebendes Holz zu, Holzgeländer oder Brücken verschwinden ebenfalls unter dem dichten Grün. Und anstelle von Palmen findet man hier viele Farne die in die Höhe schiessen.

Neben all der Feuchtigkeit ist es in diesen Gefilden auch noch überraschend frisch. Kein Wunder also, dass es uns wieder ans Meer zieht. Seht euch nur mal diese Palmenstrände an. Wow.

Hier an der Pazifikküste ist das Meer etwas rauer und es hat unendlich viele Surferspots. Es soll im Süden sogar einen Ort geben, wo gekonnte Surfer eine bestimmte Welle zwei Minuten lang reiten können!

Auf einer wie eine Walfischflosse geformten Landzunge in Uvita, kann man bei Ebbe ein ganzes Stück ins Meer hinaus gehen und hat plötzlich in zwei Richtungen eine Brandung. Da es in Costa Rica nicht erlaubt ist direkt an den Strand zu bauen, geschweige denn einen privaten Strand zu haben, sieht man hier immer weit und breit nur Palmen am Ufer. Es bedeutet auch, dass man stundenlang am Strand entlang schlendern kann und nur durch kleine Rinnsale oder Flüsse unterbrochen wird. Wie überall trifft man immer wieder auf coole Tiere, selbst bei Nacht wird man plötzlich von kunterbunten Krebsen überrascht.

Es ist aber nicht immer nur Friede, Freude, Eierkuchen beim Reisen. Da steht man schon gerne mal über eine Stunde bei Hitze an einer viel befahrenen Hauptstrasse und wartet auf einen Bus ohne Gewissheit, ob er kommt und anhält. Oder man muss sich nach einer Verspätung an der Busstation entscheiden, ob man jetzt 25 $ für ein Taxi zahlt oder doch den Bus für 1 $ nimmt und dafür fünf Stunden am Bootsanleger auf das nächste Boot wartet.

Was aber immer das aller wichtigste und schönste am ganzen ist, ist das Essen. Egal wie nass man wird, egal wie spät man irgendwo ankommt oder wie früh man aufstehen muss. Wenn es etwas feines zum Essen gibt, ist alles wieder in bester Ordnung. In Costa Rica gehört es zum guten Ton Reis mit Bohnen zu servieren. Das nennt sich Gallo Pinto, was soviel heisst wie gescheckter Hahn. Meist gibt es das zum Frühstück in Kombination mit mehreren Beilagen wie Eier, Toast, Platanos (Kochbanane), Wurst und ähnlichem. Zum Mittag- oder Abendessen kommt noch eine Fleischspeise und Salat dazu und nennt sich Casado (Verheiratet).

Gegen Ende unseres Costa Rica Aufenthalts, gönnten wir uns eine zweitägige Tour in die Tiefen des Corcovado-Regenwaldes. Das war ein Wahnsinnserlebnis. Wir fuhren am Morgen früh mit dem Boot zur Ranger Station Sirena und machten von dort aus mehrere Ausflüge in den Dschungel. Wir sahen in dieser kurzen Zeit so viel, das ist unglaublich. Nasenbären, Agutis (Katzengrosse Meerschweinchen), Totenkopfaffen, Brüllaffen (das Gebrülle hört man über mehrere Kilometer!), Klammeraffen, Kaimane (die sich unachtsame paarende Frösche einverleibten), Krokodile, Tukans, Pelikane, Eulen, hellrote Aras (Der Papagei schlechthin), Ibis, x weitere Vögel, mehrere Froscharten, Echsen, Wildschweine, Eichhörnchen, Einsiedlerkrebse, Delfine (im Meer, nicht im Wald), natürlich viele Insekten, Aas-Wespen, Blattschneiderameisen, Wanderameisen und wahrscheinlich noch einige andere Ameisenarten, Schmetterlinge und faszinierende Pflanzen wie zum Beispiel die Mimosa, die sich bei Berührung tot stellt. Ihr merkt schon, so ein Regenwald strotzt nur so vor Leben.

Das Highlight waren aber die Tapire! Das sind die grössten wildlebenden Säugetiere der amerikanischen Tropen. Leider sahen wir sie nicht wirklich aktiv. Sie mieden die Sonne, lagen unter Gestrüpp der Küste entlang und genossen die Meeresbrise. Dafür hatten wir das Vergnügen ein hochschwangeres Tapir zu beobachten. Es lag auf der Seite und wir sahen die Tritte des jungen Tapir im Bauch. Ein Tapir ist angeblich bis zu 400 Tage schwanger!

Neben all den Tieren war auch die ganze Atmosphäre atemberaubend. So weit weg vom ganzen Trubel, in Mitten der Natur. Wir marschierten durch den Wald, liefen am Strand entlang, durchwateten knietiefe Flüsse und verkosteten frische Kokosnuss.

In der Nähe der Ranger Station hat es einen gerodeten Waldstreifen, der früher als Start- und Landebahn verwendet wurde. Anscheinend hatte es dieser Flieger aber nicht geschafft. Laut der Erzählung, sei aber niemand ums Leben gekommen.

Und beinahe hätten wir diesen Ausflug verpasst! Tour-Beginn war 6 Uhr morgens. Um 5:55 Uhr habe ich auf die Uhr geschaut, weil ich dachte, es wird schon hell draussen und der Wecker hat erstaunlicherweise noch gar nicht geklingelt. Um 06:05 Uhr standen wir völlig ausser Puste mit Sack und Pack am Strand. Gerade noch rechtzeitig für die Bootsfahrt, während welcher wir dann langsam wieder zu uns kamen.

Während der Hin- und Rückfahrt hatte es geregnet aber während unserer Tour hatten wir richtig Glück. Der Regen ist laut den Einheimischen dieses Jahr überraschend früh und sie erwarten deshalb eine ziemlich lange und starke Regenzeit. Darum sind wir eigentlich immer mit Schirm ausgerüstet unterwegs. Und die Kamera darf auch nicht fehlen, denn selbst im Garten vor unserem Zimmer hatte es Echsen, Tukans und sogar eine grüne Schlange.

So und was macht man, wenn man von so einem tollen Trip zurück ist? Man plant den nächsten Besuch in einen weiteren Nationalpark. Wilde Tiere entdecken entwickelt sich so langsam zu einer Sucht. Der Park Manuel Antonio ist zwar der kleinste im Land aber sozusagen das Disneyland der Nationalparks. Es gibt stündliche Busverbindungen von San José direkt zum Parkeingang und vom Eingang bis zum Strand am Ende gibt es einen etwa 4 Meter breiten Weg. Mitten im Park gibt es einen kleinen Supermarkt mit Restaurant. Zum Glück gibt es aber ein paar Kilometer Wege abseits der Hauptachse und man ist schlagartig alleine Unterwegs. Wir liefen jeden möglichen Winkel des Parks ab und erlebten eine Begegnung, die wir nie erwartet hätten. Wir konnten einem Ameisenbären zuschauen, wie er Rinde vom Baum riss und Insekten ass. Ein Guide im Park sagte uns ein paar Minuten zuvor, dass es sehr viel Glück brauche, um einen solchen zu sehen. Er sei täglich hier und habe vor zwei Jahren den letzten gesehen! Da die Guides scheinbar nur auf der Hauptachse unterwegs sind, wird er wohl auch diesen verpasst haben.

Der Park hat wunderschöne Buchten und wir durften noch mal ein paar Faultiere finden, einen Pfeilgiftfrosch und andere Reptilien.

Die letzten Tage verbringen wir jetzt in San José. Wir haben uns ein Airbnb gemietet, kochen seit langem wieder mal selbst und starten mit der Planung für Mexiko. Denn die Tage in Costa Rica sind für uns gezählt.

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