Lost City – Lost Island

In Cartagena de Indias setzten wir zum ersten Mal unsere Füsse auf kolumbianischen Boden. Die Einwohner sprechen alle nur von Cartagena (ganz schnell Gartachena sagen) aber früher musste sich die Stadt namentlich vom spanischen Cartagena unterscheiden. Deshalb hängte man "Indias" dran. Weil dies ja bekanntlich die Ostküste von Indien ist, zumindest zur Zeit von Christoph Kolumbus.

Cartagena hat eine wunderschöne Altstadt mit bunten Fassaden und in den umliegenden Strassen viele tolle Graffitis. Im Gegensatz zu den ärmeren Regionen, werden keine Metallgitter vor den Fenstern aber kunstvoll gedrechselte Holzverzierungen installiert. Im Bild rechts unten, hat eine Katze das "auf-dieser-Treppe-schläft-niemand"-Schutzgitter kurzerhand in ein Katzennickerchen-Schutzgitter umgewandelt.

Da die Stadt früher ein sehr wichtiger Handelsplatz war und einige Angriffe abwehren musste, ist die Altstadt von einer riesigen Befestigungsmauer umgeben. Schlendert man durch die Altstadt oder auf der Mauer, kommt man sich ein bisschen wie in die Vergangenheit zurück versetzt vor. Sobald man am Horizont die Hochhäuser sieht, wird man jedoch wieder zurück gerissen.

Von hier aus fuhren wir der Karibikküste entlang weiter in Richtung Norden nach Santa Marta. Die Stadt ist nicht wirklich sehenswert aber der Ausgangspunkt für eine abenteuerliche Viertageswanderung. Da wird vielleicht der eine oder andere sich fragen, wer ist so bescheuert und wandert vier Tage bei 30°C und 70% Luftfeuchtigkeit durch den Dschungel? Tja, das wären dann wohl wir.

Als wir mit diesem tollen Gefährt abgeholt wurden, dachten wir jetzt kann nichts mehr schief gehen. Eine halbe Stunde später standen wir am Strassenrand und warteten, bis unser Fahrer das Problem mit der Gangschaltung behoben hatte.

Eigentlich war es ja schon komisch, dass wir erst um neun Uhr los fuhren. Das kann ja keine richtige Wanderung sein...

Wir stellten auch bald fest, dass die grösste Schwierigkeit die Hitze und nicht die Wanderung selbst ist. Wir hatten noch nie in unserem Leben so stark geschwitzt wie in diesen vier Tagen. Alles am Körper war platschnass und der Schweiss tropfte vom Kinn. Die Landschaft, die indigenen Dörfer und die köstliche Wassermelone machte den Chrampf jedoch wieder wett.

Wir erklommen über 1000 Höhenmeter, wobei wir jedoch etwa drei Mal über einen Bergkamm wieder in ein Tal mussten. Dabei durchwateten wir insgesamt vier Mal einen Fluss.

Unsere Camps waren ziemlich luxuriös. So konnten wir in bequemen Betten mit Mückennetz schlafen, hatten jeden Abend Kaltwasserduschen zur Verfügung und assen wie Könige. Das einzige was noch fehlt wären ein paar Wäschetrockner. Trockene Kleidung ist schwer zu finden und alles was man total optimistisch an die Wäscheleine hängte, war am nächsten Morgen noch feuchter als zuvor.

Die Distanz zwischen den Camps ist ziemlich kurz und unsere Gruppe schien überdurchschnittlich schnell zu sein. Wir erreichten zum Beispiel unseren Mittagsrast kurz nach neun Uhr und konnten so drei Stunden im Fluss baden und entspannen bevor es Essen gab.

Kurz vor dem Ziel standen wir vor 1200 Treppenstufen. Oft benötigten wir einiges an Fantasie, um in diesem Moos überwachsenen Geröll eine Treppe zu sehen. Aber als wir die Ciudad Perdida (Lost City) erreichten, waren wir echt beeindruckt. Überall sahen wir Mauerüberreste im Wald und immer ging es noch eine Etage höher.

Die Stadt wurde zwischen dem 11. und 16. Jahrhundert vom indigenen Volk der Tairona gebaut. Da das Volk durch den Handel mit den Spaniern von Seuchen geplagt wurde, gaben sie die Stadt auf. Die Spanier selbst fanden die Stadt jedoch nie. Erst 1975 wurde sie von Goldgräbern und Grabräubern wieder entdeckt und ausgebeutet. Weil zu Beginn die Regierung kein Interesse zeigte, wurden die praktischen Terrassen im Regenwald, als Marihuanaplantagen genutzt. Erst Jahre später wurden archäologische Teams gesendet, um die vollkommene Zerstörung zu verhindern. Während unsere Guides uns den historischen Hintergrund erklärten, konnten wir uns die Bäuche vollschlagen.

Jep, so gut hatten wir es. Da kommt doch unweigerlich die Frage auf, ist das noch ein echtes Dschungelabenteuer?

Wir sagen: Ist uns egal, wir haben uns trotzdem eine Erholung auf der Insel verdient. Nicht irgendeine Insel. Nein. Wir suchten uns das idyllische Inselparadies par excellence aus. Providencia.

Hier fläzten wir uns an den Strand, liessen uns die Sonne auf den Bauch scheinen, plantschten im kristallklaren Wasser, beobachteten wie die Fischer jeden Tag ihren Fang ans Ufer brachten und fuhren mit einem Roller im Kreis.

Den frischen Fisch liessen wir uns natürlich nicht entgehen! Wir schlemmten jeden Tag eine grosse Plato Mixto mit Hummer, Feuerfisch, Calamariringen, Crevetten, Krebs und was sie gerade so fangfrisch anzubieten hatten. Dabei taten wir sogar was Gutes. Denn der Feuerfisch ist eine nicht heimische Art, die das lokale Korallenriff und seine Bewohner bedroht.

Die Insel mit ihrem 17 Quadratkilometer hat man mit einem Roller ziemlich schnell umrundet. Sie bietet jedoch für ihre Grösse einige schöne Ecken. Über einen Holzsteg ist sie mit der Nachbarinsel Santa Catalina verbunden. Dort machten wir eine klitzekleine Wanderung, weil die richtige Wanderung auf den zentralen "Berg" seit einem Monat kostenpflichtig ist. Der Staat schreibt nun einen Guide für 30 Franken vor, um den einstündigen Hügelspaziergang zu machen.

Die Insel hat eine bewegende Geschichte von Eroberungen und Verteidigungen hinter sich. Immer wieder wechselten sich spanische, englische, holländische Händler und Freibeuter ab. Auf unseren Entdeckungsreisen kamen wir regelmässig mit den ursprünglichen Bewohnern in Kontakt. Es ist erstaunlich wie viele unterschiedliche Echsen auf einer solch kleinen Insel unterwegs sind.

Tiefenentspannt fliegen wir nun weiter ins Herz des Drogenkartells - Medellín. Seit dem Tod von Pablo Escobar hat sich diese Stadt zu einem südamerikanischen Vorzeigeort gemausert. Mehr dazu in der nächsten Folge von "Zwei Schwiizerli erkunden d'Wält".

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