Abenteuerlicher Altiplano

Die Gondeln sind ja schön und gut, aber wo ist die Skipiste? In La Paz machten wir eine wohl eher ungewöhnliche Stadtrundfahrt. Wir fuhren mit nigelnagelneuen Gondelbahnen einmal im Kreis. Mit der Orangen ins Tal, mit der Roten nach El Alto, mit der Silbrigen der Klippe entlang und mit der Gelben zurück nach La Paz. Was für eine tolle Aussicht! Aber Schnee gibt es nur auf den weit entfernten 6000er.

Die Städte wachsen wie Ziegelkraken über die Hügel und den Altiplano. Sie erstrecken sich von 3200 bis 4100 Meter über Meer! El Alto ist mittlerweile eine eigenständige Stadt und grösser als La Paz. La Paz selbst wird fälschlicherweise oft als höchste Hauptstadt der Welt betitelt. Hier liegt zwar der Regierungssitz, die Hauptstadt von Bolivien ist jedoch Sucre. Es gibt nichts was man an diesem Ort nicht finden kann. Kleine alte ursprüngliche Gassen, Tauben verseuchte Plätze, farbige Barrios, riesige Märkte, Friedhöfe mit Reihenhäusern und Augenärzte die gratis Untersuche auf dem Marktplatz durchführen.

Um dem Stadtrummel zu entfliehen, machten wir uns auf den Weg an den wunderschönen aber stark verschmutzten Titicacasee. Visuell ist der See immer noch atemberaubend blau und schön! Leider fliesst jedoch das Abwasser der Städte und illegalen Minen direkt in den See und macht den verbliebenen Arten das Leben schwer. Der See ist der grösste Süsswassersee in Südamerika und der höchstgelegene schiffbare See der Welt.

Titicaca heisst in etwa Pumafelsen und spielt in der Inkakultur eine wichtige Rolle. Der Name stammt von der Insel die jetzt Isla del Sol (Sonneninsel) heisst. Hier soll der erste Inka und seine Frau vom Sonnengott zur Erde gesendet worden sein. Die Insel ist sehr nah am Ufer aber mit den langsamen Booten benötigt man trotzdem zwei Stunden. Auf der Insel liegen ein paar interessante Inkaruinen und beinahe alle Hügel sind terrassiert. Leider ist der Grossteil der Insel nicht für Touristen zugänglich, weil die nördliche und zentrale Gemeinde seit zwei Jahren in einem Konflikt stehen.

Am Ufer des Sees haben wir Copacabana zu unserem Ausgangspunkt gemacht. Das Dorf ist wie alle Dörfer hier. Manche Häuser haben eine schön gemachte Fassade und der Rest sieht aus wie im Rohbau.

Im August findet hier immer das wichtige Auto Segnen statt. Denn wer so fährt wie die hier fahren, der hat das dringend nötig! Von Peru und Bolivien kommen die Fahrer von jeglichen Fahrzeugen, schmücken sie kunterbunt und lassen sie segnen. Es gibt die kirchliche Zeremonie vor der Basilika, dabei wird das Auto, der Motorblock, die Sitze und die Fahrer mit Weihwasser bespritzt. Und die Schamanen Zeremonie am Strand, wo der Schamane das Auto mit Bier bespritzt, ein paar Böller ablässt und was vor sich hin murmelt.

Copacabana liegt zwar am westlichen Ufer des Titicacasees, gehört aber noch zu Bolivien. Hier in der Nähe gibt es eine ganz enge nur 800 Meter breite Verbindung zwischen dem südlichen und nördlichen Titicacasee. An dieser Stelle fahren duzende "Busfähren" oder besser Flösse hin und her. Da passiert es schnell, dass man um sein Gepäck im Bus bangt.

Zurück in La Paz heisst es wieder schnell weg! Nach der Entspannung am See geht es zur Besteigung des Berges. Wir machen uns mit einem alten russischen Bus auf den Weg zum Pico Austria. Der Start ist an einer wunderschönen Lagune und es hat sich definitiv gelohnt um fünf Uhr aufzustehen. Wir sind während dem ganzen Aufstieg alleine und geniessen die absolute Stille nahe einem Gletschersee.

Jeder kennt das Geräusch seines Herzschlags: Ba bam, ba bam, ba bam... Normalerweise wird daraus beim Aufstieg ein: Bam, Bam, Bam... Auf über 5000 Meter fühlt es sich aber eher an wie: Babababababababababa... Der ganze Körper schreit: "Wo bleibt der Sauerstoff?" und man sieht aus wie ein gestrandeter Fisch und schnappt wie verrückt nach Luft. Aber die Aussicht! Wow!

Wir sind auf 5350 Meter und sehen die Cordillera Real (Königskordillere) mit einigen 6000er und die Condoririgruppe in der Mitte, die einen Kondor verkörpern soll.

Auf die andere Seite rechts am Horizont den Titicacasee, links im Smog den Stadtrand von El Alto und natürlich den Altiplano!

Auf dem Gipfel kriegen wir ein paar Cocablätter zum kauen und wir machen mit unserem Guide ein kleines Ritual, um den Geistern und der Natur unseren Respekt zu zollen. Beim Abstieg treffen wir auf einige Lamaherden und weitere Lagunen.

Zurück in La Paz, machten wir uns auf nach Tiwanaku. Da sucht man sich am zentralen Friedhof (dem inoffiziellen Busbahnhof) in La Paz einen Bus, der zur Zieldestination fährt und wartet darauf bis er voll ist. Tiwanaku ist eine Prä-Inka-Ruinenstätte und gibt einen tollen Einblick, in wie viel man in Erdhügel und Steinhaufen hineininterpretieren kann. Berühmt ist der Ort durch das Sonnentor, welches aus einem etwa 10 Tonnen schweren Steinklotz gemeisselt wurde.

Unser letztes La Paz Abenteuer startete auf dem offiziellen Busbahnhof. Wie üblich machten wir unsere Runde von Schalter zu Schalter um Preise und Abfahrtszeiten zu vergleichen. Nach etwa fünf Schaltern, erfuhren wir von der Strassenblockade, die die Fahrt unmöglich machen würde. Wir gehen zu unserem aktuellen Favoriten und dieser meinte, das sei kein Problem, sie würden einfach eine andere Route nehmen. Na gut, wir haben ja keinen Stress. Der Bus geht um neun Uhr, wir müssen um zwölf am Ziel sein und die Fahrt geht etwa eine Stunde. Von La Paz geht es nach El Alto und da halten wir in einem Quartier an. Weil es eine Strassenblockade auf der Strecke habe, können wir erst Abends um sechs Uhr fahren... Wie bitte? Die Einheimischen murmeln ein bisschen, aber alle bleiben einfach sitzen. Also machen wir das auch. Nach etwa einer Stunde kommt die Durchsage, dass man eine neue Route gefunden habe. Wir fahren quer durch die Quartierstrassen und der Busfahrer zögert an jeder Kreuzung. Links oder rechts? Es wird fünf mal nach dem Weg gefragt und nach einer weiteren Stunde sind wir wieder auf der Hauptstrasse. Juhui es geht weiter.

Im nächsten Dorf quälen wir uns erneut durch die engsten Quartierstrassen, die unser Busfahrer findet. Der Bus bleibt einmal beinahe auf einem Gleis hängen, dass wir überqueren wollen. Eine weitere Stunde holpern wir über eine unbefestigte Überlandstrasse und erreichen endlich den Highway! Wer mitgerechnet hat, der merkt nun entweder übertreibt der Autor oder es ist schon zwölf?! Jep! Die restliche Stunde zitterten wir um unseren Anschlussbus. Laut Lonely Planet fährt täglich nur ein Bus zwischen zwölf und eins, sobald er voll ist. Wir erreichten Punkt ein Uhr Patacamaya und rannten mit dem Gepäck der Strasse entlang zum Minibus nach Sajama. Phu! Er ist noch da und hatte genau noch zwei Plätze frei...

Was für ein Glück! Nach drei weiteren Stündchen sind wir endlich mitten im Nationalpark Sajama im kleinen Dörfchen Sajama.

Im Hintergrund erhebt sich der höchste Berg Boliviens der (wie kreativ) Sajama mit 6542 Meter. Da das Dorf selbst schon auf etwa 4200 Meter liegt, wirkt der Berg nicht sonderlich hoch. Wir überliessen das Besteigen des Berges trotzdem anderen und genossen die Einsamkeit in den heissen Quellen. In diese Ecke Boliviens verirrt sich beinahe niemand und so genossen wir die Ruhe, die Aussicht, die Gesellschaft der Lamas und das heisse Wasser.

Da man jedoch nicht nur herumliegen kann, in der doch eher kühlen Umgebung, machten wir uns auf eine Tageswanderung zur Lagune Khasiri. Um zu dieser Lagune zu kommen, mussten wir erst ein Geysir-Feld queren und über einen etwa 4800 Meter hohen Pass steigen. Die Bezeichnung Geysir war beinahe übertrieben, aber es hatte viele blubbernde Wasserlöcher.

Die Lagune selbst liegt auf chilenischem Boden und so machten wir schon mal Bekanntschaft mit einem unserer zukünftigen Reiseziele. Wir hatten hier den bisher einfachsten Grenzübertritt. Leider gab es aber keinen Stempel im Pass. Wir sahen Vikunjas und Viscachas, ein hasenartiges scheues Tier.

Da wir uns zur Abwechslung wieder mal nach ein bisschen wärmeren Gefilden sehnten, machten wir uns von hier auf den Weg, quer durch Bolivien nach Samaipata. Im Moment befinden wir uns auf einer Zwischenstation in Cochabamba. Hier her zu kommen war ebenfalls ein kleines Abenteuer. Aber das gehört nicht mehr in diesen Blog.

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