Where the desert meets the sea

Aktualisiert: 28. März 2019


...tschüss Perth, wir gehen in den Norden.


Kaum fuhren wir durch Perth, wurde es wärmer und karger. Unser erster Stop galt den Pinnacles, einer Ebene voller Felstürme. Wie sie entstanden sind, ist anscheinend bis heute nicht klar. Durch die wandernden Sanddünen, verschwinden und tauchen sie über die Jahrzehnte immer wieder auf.

Von Jurien Bay aus machten wir eine ganz besondere Schnorcheltour. Wir erreichten nach kurzer Zeit eine kleine Insel, auf welcher eine Gruppe australischer Seelöwen lebt. Es war schon beeindruckend vom Boot aus die freilebenden Seelöwen zu sehen! Aber wir durften auch zu ihnen ins Wasser! Wir hatten beide ein bisschen ein flaues Gefühl im Bauch, weil wir gewarnt wurden, nicht zu nahe an den Strand zu kommen. Denn der Bulle hat einen ausgeprägten Beschützerinstinkt für seine Familie. Wir stiegen trotzdem ins Wasser und es wurde zu einem unglaublichen Erlebnis. Erst schwammen wir alleine durch das ruhige seichte Wasser und sahen ein paar Fische und Korallen, doch dann wurden die Seelöwen neugierig und kamen in unsere Nähe. Um so mehr Drehungen und Rollen wir im Wasser machten, um so mehr Schrauben und Sprünge machten sie selbst. Es war lustig aber auch extrem atemraubend mit ihnen zu schwimmen. Diese Bilder, wie wir mit ihnen unterwasser Augenkontakt hielten, sind jedoch nur in unseren Köpfen.

Die Westküste fasziniert und überrascht immer wieder mit Klippen und Schluchten, wo doch eigentlich alles komplett flach wirkt. Wir erkundeten viele Nationalpärke und mussten feststellen, das der späte Sommer nicht der beste Zeitpunkt für Flüsse ist. Das Land scheint vollkommen ausgetrocknet, die Flussläufe sind staubig und nur in ein paar Kurven steht noch ein Rest Wasser. Trotzdem sind viele Büsche grün und haben sogar Blüten.

An der Küste hat es immer mal wieder einen sehr salzhaltigen See. Darin leben Mikroorganismen und Algen die den See pink erscheinen lassen. Damit es zu diesem Farbspektakel kommt, ist das perfekte Gleichgewicht unerlässlich. Die Temperatur, die Sonneneinstrahlung, die Anzahl und Art der Organismen die Menge an Wasser und der Salzgehalt ist entscheidend. Und so kommt es auch, das die meisten Pinklakes eigentlich eher weisse Salzwüsten oder braune Plärren sind. Mal weil wir zur falschen Jahreszeit unterwegs waren und mal weil der Mensch Einfluss nahm.

Einer der vielen Pink Lakes in Westaustralien

Und egal wo wir sind, der Wind weht... immer und überall. Meist wächst hier nur Gras oder ein paar Sträucher, weil höhere Pflanzen dem Wind nicht trotzen können. Es gibt jedoch ein Gebiet hier, das durch die "leaning trees" bekannt wurde. Die Bäume wachsen sozusagen horizontal auf dem Boden, um dem konstanten Wind zu entgehen.

Vom Winde verweht...

Das einzige was schlimmer als der Wind ist, sind die Fliegen. Wir hätten nie gedacht, dass wir die Fliegen von Zuhause je vermissen werden. Die Monster hier sind etwas kleiner, sehen sonst aber genau gleich aus. Du siehst sie eigentlich nicht, aber kaum bist du aus dem Fahrzeug gestiegen hast du mindestens zwei im Gesicht. Und egal wie wild du fuchtelst sie fliegen immer zielstrebig in die Ohren, in die Nasenlöcher, in den Mund oder in die Augen. Es ist zwar heiss hier, aber meistens kam ich ins schwitzen durch diese blöden Mistfiecher! Das einzig Schöne, wenn man durch den Park läuft begrüssen sich eigentlich alle mit dem "australian salut" und fuchteln wie wild vor ihren Gesichtern herum. Und darum ist man dann auch plötzlich wieder ein Freund des Windes. Denn wenn er so richtig fest vom Meer her bläst, gibt es kaum Fliegen.

Die Echsen klettern hier gerne auf Büsche, um Insekten zu jagen.

Unser erster Kontakt zu Gutharraguda (in der Sprache der Aborigines "zwei Wasser", Shark Bay) war ein Blick in die Vergangenheit unseres Planeten. Bei den Hamelin Pools konnten wir auf einem Steg die Stromatolithen anschauen. Dies sind Urzeit Bakterien, die Schicht für Schicht diese Türme im Wasser gebildet hatten. Durch die lange Bucht, mit ihrer sehr seichten Öffnung zum Meer hin, ist das Wasser hier besonders salzhaltig.

In dieser Bucht leben auch viele Muscheln und sobald diese sterben, werden die Schalen durch die Strömung an einen bestimmten Strandabschnitt gespühlt. Der Shell Beach besteht aus einer 10 Meter tiefen Schicht, vollkommen aus Muscheln.

In Monkey Mia, einem Ort der für sein Delfin Discovery Center berühmt ist, kamen wir in Kontakt mit den hier lebenden Delfinen. Die Delfine kommen hier schon seit Jahrzehnten hin, um am Strand zu jagen. Sie schwimmen bei ihrer Jagd manchmal so nah am Strand, dass sie beinahe aus dem Wasser kommen. Jeden Morgen werden sie hier vor den Augen und mit Hilfe von Touristen gefüttert. Um den Eingriff in die Natur so klein wie möglich zu halten, werden immer dieselben vier ausgewählten Delfine mit je einem Fisch gefüttert. Wir hatten das unglaubliche Glück, dass 22 Delfine auftauchten! Darunter waren fünf Junge und eines nur wenige Tage alt. Carmen wurde sogar ausgewählt, dem Delfin seinen Fisch zu überreichen.

Unser Aufenthalt hier auf der Halbinsel, gehört definitiv zu einem unserer Highlights! Wir sahen hier Schildkröten, Tigerhaie, Riffhaie, Mantarochen, Stachelrochen, Seekühe und Delfine! Nun ja, von den Seekühen haben wir nicht sooo viel gesehen, aber hey, nicht jeder hat sowas braunes im Wasser gesehen. Oder?

Seekuh mit Jungem auf dem Rücken.

Das Besondere an diesem Ort für Aborigines und Fotografen ist, dass hier die Wüste auf das Meer trifft. Hier erreicht der rote Sand, den man vor allem aus Zentralaustralien kennt, das türkisfarbene Meer und den weissen Sandstrand. Das Farbenspektakel ist wirklich unfassbar und wir kamen aus dem Staunen kaum mehr raus.

Von den Klippen aus, hatte man einen super Blick über das untiefe Wasser. Wir konnten beobachten wie die Delfine ihre Fische jagten und wie die Fische auf der Flucht beinahe über das Wasser flogen. Wir sahen wie zwei Delfine eine Gruppe Mantarochen erschreckten und wir sahen wie Haifische einen Rochen fingen und verspiesen.

Und an unserem nördlichsten Punkt der Australienreise, in Exmouth, ging es gleich animalisch weiter. Durch unseren Campingplatz wanderten Emus, ein anderer Laufvogel besuchte unseren Camper und gleich neben dem Platz hüpften Kängurus (mit einem Joey im Beutel!).

Uns wurde nahegelegt, wir sollten in der Abenddämmerung unbedingt am Strand entlang spazieren. Denn wir sind per Zufall genau zur Schildkrötenzeit hier! Das hörte sich verlockend an und wir suchten uns gleich ein einsames Stück Strand.

Am ersten Abend, sahen wir zwar zwei Möwen, wie sie junge Schildkröten frassen aber leider kein Nest. Wir entdeckten dafür eine breite Spur vom Wasser zu den Büschen auf den Sanddünen. Es war zwar schon ziemlich dunkel aber wir konnten klar erkennen, wie dort neben einem Busch eine riesige Schildkröte ein Loch grub um ihre Eier zu legen! Wir beobachteten sie von grosser Distanz, um sie nicht zu stören. Am nächsten Abend versuchten wir es erneut und als wir schon gar nicht mehr damit rechneten, sah ich hinter einem Busch verdächtig viele Möwen auf und ab fliegen. Und da war es! Wir sahen einen kleinen unscheinbaren Sandtrichter, aus welchem sicher hundert kleine Schildkröten krabbelten. Sie krochen wild herum in alle Richtungen. Aber irgendwie wussten alle in welche Richtung das Meer liegt und ein irres Wettrennen begann. Sie kletterten übereinander hinweg, verirrten sich im Gestrüpp oder purzelten über Sandverwehungen. Und diese verdammten Möwen... überall wanderten sie herum und pickten nach den kleinen Babys. Wir mussten verzweifelt zusehen, wie nur etwa 10 Stück das Wasser erreichten und selbst da, stürzten sich die Möwen ins Meer und fischten sie raus. Wir konnten sogar erkennen, wie ein kleiner Hai ständig am Ufer hin und her schwamm und auf sein Abendessen wartete. Die Kleinen haben wirklich einen schweren Start ins Leben.

Möwen waren ja schon immer nervig, aber jetzt mögen wir sie noch weniger.


Unser nördlichster Punkt bedeutet natürlich auch, dass es nur noch Richtung Süden gehen kann. Wir nahmen also Abschied von der zwar kargen aber erstaunlich tierreichen Landschaft.

So fuhren wir wieder in Richtung der kühleren Regionen. Unser erster Stop galt Carnarvon, was mich immer an Fleischfresser (Carnivore) denken lässt. Wahrscheinlich blieb das aus meiner Dino-Fan-Zeit hängen. Ironischerweise ist dieser Ort bekannt für sein Gemüse und die Früchte. Hier werden 75 Prozent des westaustralischen Bedarfs angepflanzt. Im Moment sind Mangos Saison und Carmen schwebt im siebten Früchtehimmel. Obwohl es hier anscheinend gut geeignet für Pflanzen ist, ist es auch hier sehr trocken und das Flussbett ist nur eine Sandwüste.

Auf einem Abendspaziergang entdeckten wir ein altes Gleis, welches die Stadt mit dem alten Schifffahrtssteg verband.

In Greenough besuchten wir ein kleines Dörfchen aus der Zeit der ersten Siedler. Wir waren überrascht, wie es überhaupt nicht wie ein Dörfchen aussah. Es wirkte mehr wie eine arrangierte Ausstellung von Gebäuden. An einer geraden Strasse standen sich auf beiden Seiten je etwa 6 Gebäude gegenüber. Alle sind einige Meter von der Strasse entfernt und liegen weit auseinander. Es gibt keine Zufahrt oder Wege, rund um die Gebäude ist trockene Wiese. Es gibt eigentlich auch keine Wohnhäuser, es sind nur öffentliche Gebäude. Und da fing es uns an zu dämmern. Die Bewohner dieses Dorfes waren umliegende Bauern. Jeder der hier wohnte, lebte eigentlich in einem Umkreis von mehreren Kilometern auf einer Farm. Und nur zum Gottesdienst oder zu Versammlungen, zu Festen oder zum ärztlichen Untersuch kamen sie hier hin. So befinden sich hier nur das Gericht, Kirchen, die Schule, der Festsaal, das Gefängnis und ein Versammlungsraum.

Bei einer kleinen Wanderung am Fluss entlang, entdeckten wir viele Büsche, die von unten bis oben mit weissen Schneckenhäusern übersäht waren.

Der aufmerksame Leser, mit der Australienkarten neben sich, wird jetzt vermutlich denken: Die sind ja schon beinahe wieder zurück in Perth. Das stimmt. Wir sind nach Fremantle gefahren und verbringen hier unsere letzten Tage. Blog schreiben, Haare schneiden und neu einkleiden. Das letzte war nur Spass, weil es sich gerade so schön reimte.


Von hier aus machten wir unseren letzten Westaustralien-Ausflug nach Rottnest-Island. Dies ist einer der letzten Rückzugsorte der Quokkas. Ein Beuteltier ohne natürlichen Fressfeind und deshalb ohne Scheu. Sie sind super neugierig und überrannten uns beinahe, als wir die Insel mit dem Fahrrad erkundeten. Die Insel wurde von ihrem holländischen Entdecker "Rattennest" getauft, weil er die Quokkas für grosse Ratten hielt.

Wir entdeckten ein Quokka, dass mit einem Bein an einem tiefen Ast hängengeblieben war. Nach dem wir die Astgabel abgebrochen haben blieb es einfach liegen. Wir riefen auf der Notfall-Ranger-Telefonnummer an und kurze Zeit später kam einer vorbei und holte das verletzte Tier ab. Wir hoffen es geht ihm mittlerweile wieder besser. Es hatte zumindest noch soviel Lebensgeist in sich, dass es dem Ranger ziemlich fest in den Finger biss.


Am 1. März geht es weiter nach Adelaide...

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