Whales and other creatures

Brrrrr Bariloche war teilweise echt kalt! Wir stellten ziemlich schnell fest, dass es wohl der Start des Beginns des Frühlingsanfangs ist. Argentinien ist jedoch im Vergleich zu den vielen anderen bereisten Ländern sehr fortschrittlich. Das bedeutet, sie haben Türen und sie schliessen sie sogar regelmässig. Sie haben besser isolierte Häuser und sie haben Heizungen. Wir hatten sogar ein Zimmer mit Bodenheizung! Wär hätte das in Südamerika erwartet. Auf unserer Reise durch Argentinien wurden unsere Pläne nach Bariloche immer mit einem "oooh que hermoso!", "muuuy lindo!" quittiert. Anscheinend gibt es keinen Argentinier, der nicht Bariloche liebt und nicht mindestens einmal da war. Viele meinten, es sähe genau so aus wie die Schweiz. Wir waren damit jedoch nicht ganz einverstanden. Ja es hat Gebäude im ähnlichen Stil, ja es hat schneebedeckte Berge, ja es hat Seen, ja es gibt hier gute Schokolade und ja es gibt gleich neben der Stadt eine alte Schweizer-Kolonie "Colonia Suiza", die hat jedoch neben dem Namen so ziemlich nichts mehr mit der Schweiz zu tun. Es befinden sich hier etwa 20 Gebäude, die Souvenirshops, Restaurants oder Hotels beherbergen. Was hier als typisch schweizerisch angepriesen wird, ist eine wilde Mischung aus deutschem, österreichischem und Dingen die wir nicht einmal wussten, dass es die im deutschsprachigen Raum gibt.

Die Landschaft mag auf den ersten Blick Ähnlichkeiten mit Postkarten aus der Schweiz haben, aber ehrlich gesagt, für uns wirkte es eher wie Kanada. Es fühlte sich einfach immer leicht falsch an. Vielleicht würde jedoch ein Kanadier genau das Gegenteil behaupten. Aber macht euch doch am besten ein eigenes Bild anhand der Bilder:

Die Region um Bariloche ist ein Ferienort, der eigentlich immer Saison hat. Im Winter kommen die Wintersportler ins Skigebiet, der Frühling bringt Schullager und Hochzeitsreisende, im Sommer fluten die Badegäste die Strände und im Herbst erklimmen die Wanderer alle Gipfel. Die Stadt liegt am grossen Nahuel Huapi See. In ihm soll das Nessie ähnliche Wesen Nahuelito leben. Wir haben es leider nicht gesehen. Nur ein paar Vögel und ein paar Lämmer.

Um den "Camino de los siete lagos" zu erkunden, mieteten wir uns einen kleinen Flitzer für drei Tage und machten die Strassen unsicher. Oder die Strassen machten uns unsicher? Sie fahren hier ja immerhin auf der richtigen Strassenseite, aber das war es auch schon. An Kreuzungen hat der erste oder der mit der lautesten Hupe Vortritt. Im Kreisel gilt es als höflich, den gesamten Verkehr zu blockieren, um andere hinein zu lassen. Aber nicht immer. Das wichtigste am Auto sind die Warnblinker. Es ist dabei egal ob man parkieren will, abbiegt, auf der Strasse stehen bleibt, an einen Stau fährt, im Stau steht, etwas gefährliches gesehen hat, an der Ampel steht, an einer Polizeikontrolle vorbeifährt oder einfach vergessen hat in auszustellen.

Auf den sozusagen letzten Metern unserer Weltreise schalteten wir in den Zeitlupen-Modus. Wir entschieden uns nicht weiter südlich zu gehen und dafür überall mehr Zeit zu verbringen. So verzichteten wir auf den wahrscheinlich spektakulären Süden mit all seinen Attraktionen, sparten jedoch dafür auch drei Tage Busfahrt, um jene zu erreichen. Und als wir nach Puerto Madryn kamen fühlten wir uns mit der Entscheidung bestätigt. Was gibt es schon spektakuläreres als wild lebende Tiere zu beobachten? Die Stadt selbst ist nichts aufregendes, sie ist am Meer und hat einen langen Steg. Um die Umgebung selbst zu erforschen, mieteten wir auch hier einen Flitzer.

Die riesige pilzförmige Halbinsel Valdez gleich neben an, mit ihrem Naturreservat ist das eigentliche Highlight. Die Halbinsel ist etwa halb so gross wie der Kanton Graubünden und beherbergt jede Menge Tiere. In den zwei riesigen Buchten, die die Halbinsel umschliesst, kommen jedes Jahr die Südkaper. Was? Ja der deutsche Name ist nicht wirklich geläufig. Auf spanisch sind es die "ballena franca austral" und auf englisch der "Southern right whale". Alles klar? Es geht um Wale. Und die kann man hier vom Boot aus sehen oder vom Strand! Es hört sich unglaublich an, aber kommt man zur Flut, kommen die Wale bis auf ein paar duzend Meter an die Küste. Es handelt sich vor allem um Mutterkühe mit ihren Jungen. Dabei legen sich die Weibchen im seichteren Wasser auf das Kies und ruhen sich aus. Wir konnten viele beobachten, wie sie ihre Flossen aus dem Wasser hielten oder aus dem Wasser sprangen.

Das Whale watching per Boot findet von Puerto Piramides statt. Da es dort aber keinen Hafen oder Steg gibt, haben sie ein spezielles System mit fahrbaren Docks umgesetzt. Natürlich hat jede Firma ein für ihr Boot optimiertes Gerät.

Auf Valdes und Umgebung leben mehrere Seeelefanten und Seelöwen Kolonien. Diese höchst eleganten Tiere liessen sich zu tausenden die Sonne auf den Bauch scheinen. An dieser Küste haben Orcas eine sehr spezielle Art des Jagens entwickelt. Dabei lassen sie sich absichtlich stranden und packen junge Seehunde vom Strand. Leider oder zum Glück wurden wir nicht Zeuge von diesem Naturspektakel.

An Land sahen wir einige neue Vogelarten, Nandus, Guanakos (Nun haben wir alle gesehen. Lamas, Alpakas, Vikunjas und Guanakos) und Gürteltiere.

Auf Valdes und am Punta Tombo leben viele Magellan-Pinguine. Auf Punta Tombo ist mit ungefähr 400'000 Tieren sogar die grösste Kolonie der Welt. Es fühlte sich an, als wäre man in einer Pinguin Grossstadt. Es ist beeindruckend wie weit ins Landesinnere die Pinguine gehen, um ihre Höhlen zu graben. Die Pinguine sind im Moment gerade in der Paarungs- und Brutphase. Wir konnten sogar einen Blick auf ein Ei erhaschen. Es sah einem weissen Hühnerei sehr ähnlich. Ausserdem können Pinguine einen Heidenlärm machen.

Und jedes Mal, wenn man irgendwo in die Nähe von Tieren kommt, muss man erst einen Schilderwald passieren. Denn es ist ja überhaupt nicht offensichtlich, dass man nicht über den Zaun klettert. Oder wer hätte gewusst, dass man die Pinguine weder berühren noch anschreien sollte?

Vom Strand der Tiere fuhren wir nach Norden zum Lieblingsstrand der Argentinier. Mar del Plata hat etwa 500'000 Einwohner und im Sommer 1'000'000 Einwohner! Wir sind zum Glück vor der Saison und genossen die leeren Strände. Nicht zum baden, aber zum entlang schlendern.

Unser letzter Stop auf dem Weg in die Buenos Aires Region machten wir in Tandil. Die Stadt ist berühmt für ihre Fleisch und Käse Platten. Wir gönnten uns gleich zweimal eine "picada" und wir können mit gutem Gewissen sagen, sie sind köstlich. Rund um Tandil gibt es kleine Hügelchen, die wir über die vier Tage alle bestiegen haben. Erkennt ihr die beiden illustren Herren auf dem letzten Bild? Die tauchen hier in Südamerika immer und immer wieder auf.

Da wir nicht die gesamte Restzeit in der Grossstadt verbringen wollten, fuhren wir mit einem Boot von Tigre aus ins Flussdelta des Rio Parana und genossen ein paar Tage auf einer Insel. Wir spazierten den Kanälen entlang und wurden kreativ mit unseren Skizzenbüchern und Stiften.

Nun sind wir in Buenos Aires und teilen die Stadt mit einem Drittel der gesamten argentinischen Bevölkerung! Beinahe doppelt so viele Leute wie in der Schweiz, leben hier in der Stadtregion! Wie die den Internationalen Politik Teil der Zeitung Lesenden von euch bestimmt wissen, finden in Argentinien im Moment die Präsidentschaftswahlen statt. Im Gegensatz zu den sensationslüsternen Schlagzeilen und den angsterregenden Artikeln fühlt sich das Land sehr harmonisch an. Die Menschen reden zwar nicht positiv über ihre Politiker, machen dies jedoch immer lachend und nehmen es auf gewisse Weise mit Humor. Denn was kann man in so einer Situation denn noch wirklich ernst nehmen? So spürten wir in der Hauptstadt während den Wahlen so ziemlich gar rein nichts. Ja wir sahen Plakate und in der Nacht hupten sogar vier Autos, als das Wahlergebnis klar war. Am nächsten Tag lebte jeder sein Leben weiter und wir passierten beim Regierungsgebäude gerade mal 10-20 Leute die den Sieg mit Musik und Fahnen feierten. Was die Armut betrifft haben wir hier bei weitem nicht so viel gesehen, wie wir in den anderen südamerikanischen Ländern sahen.

Bald geht es Nachhause. Im Moment wissen wir nicht so recht, ob wir uns auf den Heimflug freuen sollen oder ob wir traurig sind, dass die Reise ihr Ende nimmt. Manchmal fühlte es sich so an, als würde dieser Tag nie kommen und jetzt könnten wir schwören, dass unmöglich schon ein Jahr um ist!

109 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen