Wo die Vögel fliegen

Klemm die Thermoskanne unter den Arm, schnapp dir deinen Matebecher und los geht es. Der Anblick ist etwas ungewöhnlich und wir haben uns bis heute noch nicht daran gewöhnt. In Argentinien sind viele Leute ständig mit einer Thermoskanne unterwegs. In einer schicken Lederbox, unter den Arm geklemmt oder am Henkel baumelnd. In der Hand halten sie einen, bis zum Rand mit Kräutern gefüllten, Matebecher. Diesen füllen sie immer wieder mit ein bisschen heissem Wasser, trinken die zwei drei Schlucke und füllen ihn wieder auf. Es spielt dabei keine Rolle, ob sie einkaufen gehen, Autofahren, im Park spazieren oder in ein Restaurant gehen.

Überall gibt es Warmwasserspender, in den meisten Lokalen kann man nach heiss Wasser fragen und jeder Ramschladen ist gefüllt mit Matebechern und Thermoskannen.


Ihr seid jedoch hier wegen den Bildern. Hier die "Serrania del Hornocal" oder "las montañas de los 14 colores". Dabei ist es wichtig zu wissen, dass im Nachbardorf nur ein langweiliger "Cerro de los 7 colores" steht. So viel zum Marketing.

Die Gegend hier um Humahuaca und Tilcara strotzt nur so von farbigen Felsformationen. Wir machten hier einige kleine Spaziergänge durch die sonst eher karge Landschaft. Die Dörfer selbst haben hübsche kleine Gässchen und Dorfplätze. Die Gerichte in den Restaurants werden wieder ein bisschen europäischer. Man merkt hier vor allem den italienischen Einfluss.

Auf dem Weg nach Salta, fragten wir uns, wieso so viele Leute am Strassenrand gehen, Velofahren, campen und singen. In der Stadt angekommen hatten wir schon tausende von Menschen passiert. Es gab etliche gratis Essensstände am Strassenrand und Autos mit Lautsprechern, die Predigten abspielten. Die Menschen hier sind schon seit Tagen unterwegs, um die Kathedrale von Salta zu erreichen. Hier findet jedes Jahr ein Umzug mit der "Virgen del Milagro" statt. Es nehmen etwa eine Million Menschen teil und wir sahen sogar den aktuellen Präsident von Argentinien. Apropos Politik, dank diesen tollen Kerlen ist im Moment die Wirtschaft Argentiniens am Boden. Das Geld verliert ständig an Wert. Wer jetzt denkt, cool dann ist ja alles billiger. Falsch. Die Preise steigen so schnell, wie das Geld an Wert verliert. Aktuell ist ein Franken etwa 55 argentinische Pesos. Hostels und Restaurants sind für uns natürlich trotzdem eher günstig. Aber die Banken sind schrecklich! Vor den Automaten stehen im Schnitt etwa zwanzig Personen an und man kann sich maximal 1000 bis 4000 Pesos raus lassen. Dabei fallen jedes Mal Gebühren von 350 bis 550 Pesos an! Aber ja, wir haben nun einen Trick gefunden. Wir bezahlen mit unseren gebührenfreien Kreditkarten online eine Geldtransferfirma und lassen uns das Geld zu einem unheimlich guten Wechselkurs gebührenfrei auszahlen. Dieses spezial Angebot gilt natürlich nur für die ersten beiden Transaktionen, aber mehr benötigen wir gar nicht. Aber ihr seid ja eigentlich hier wegen den Bildern:

Vom trockenen Salta ging es auf einer etwas holprigen jedoch sehr direkten Luftlinie nach Puerto Iguazu. Hier bezogen wir ein kleines Apartment und machten es uns für eine Woche gemütlich. Schliesslich herrschte hier Kurzhosenwetter. Das Dreiländereck büsst ein bisschen an Aufmerksamkeit ein, so nahe an den Iguazufällen. Wir genossen die Ruhe an der Flussmündung und blickten ans paraguayanische und ans brasilianische Ufer. Hier kommt der Iguazu und der Parana zusammen und bilden den zweit grössten Fluss Südamerikas. Hier liegen Boote und stehen Gebäude, die ihre beste Zeit schon gefühlte hundert Jahre hinter sich haben.

Für die Iguazufälle muss man sich etwa zwei Tage Zeit nehmen. An einem Tag kann man die Grenze nach Brasilien überqueren und die Fälle von einer Aussichtsplattform von vorne anschauen. Und für die argentinische Seite benötigt man einen Tag, weil es etwa 6,5 Kilometer Pfade und Stege gibt. An vielen Stellen kann man beinahe nicht glauben, dass hier ein riesiger Wasserfall sein soll. Das Wasser ist so ruhig und idyllisch bevor es den "Garganta del Diabolo" (Teufelsschlund) runter kracht.

Die Iguazufälle sind 2700 Meter breit und bestehen aus 275 Wasserfällen! Davon sind einige ziemlich klein und anderen haben eine Höhe von bis zu 80 Meter. Je nach dem zu welcher Saison man hier ist, kann die Wassermenge auf mehr als das vierfache anschwellen.

Laut den Infos zum Nationalpark soll es auch ganz viele Wildtiere geben. Leider sehen wir nicht so viele, jedoch bestimmt einige mehr, als der Durchschnittsbesucher. Wir nehmen an, dass die meisten Tiere während der Öffnungszeiten das Weite suchen. So sahen wir zwar keine Wildkatzen, dafür einige Vögel, Rehe, Affen, Echsen Schmetterlinge und Nasenbären.

Wir waren echt sehr beeindruckt von den Wassermassen und der schönen Umgebung mitten im Dschungel. Nur schon wegen der Vegetation gefällt uns dieser Wasserfall viel besser, als die Niagarafälle. Jene liegen mittlerweile in mitten zweier Städte. Was jedoch den Anblick der Iguazufälle etwas trübt, sind die unglaublichen Menschenmassen! Vor allem auf der brasilianischen Seite, wo es nur einen Pfad gibt. Auf den dünnen Stegen und Plattformen drängen sich tausende von Touristen...

Als Kontrastprogramm gönnten wir uns das Ibera Reservat. Ein 13'000 Quadratkilometer grosses Feuchtgebiet. In Mitten der Lagunen, Flüsse und Sümpfe liegt das kleine Dorf Colonia Carlos Pellegrini. Ein feuchter Traum für alle Ornithologen. Die Region platzt beinahe vor Vögeln! Hier kann man sich definitiv entspannen. Das Beste, es verirren sich nur ein paar wenige Touristen über 40 und wir hier her. Das bedeutet, weniger Lärm und mehr Tiere. So sahen wir mehrere Hirsche/Hirschkühe aller drei unterschiedlichen Spezies die hier leben.

Schon auf dem Weg hier her macht man mit dem berühmtesten Vertreter der heimischen Tierwelt Bekanntschaft. Überall liegen, tapsen und schwimmen die Capybaras umher. Dabei handelt es sich einfach gesagt, um die grössten Mäuse der Welt. Denn Capybaras gehören zu den Nagetieren der Familie der Meerschweinchen. Die Tiere rund um das Dorf waren überhaupt nicht menschenscheu und wir konnten uns bis auf drei Meter nähern.

Ebenfalls liegend und schwimmend, leben in unmittelbarer Nähe zwei Arten von Kaimane (Brillenkaiman und Breitschnauzenkaiman). Da die Capybaras für ihren Speiseplan zu gross sind und beide eher getreu dem Lebensstil "sleep-relax-sleep" leben, liegen sie oft sogar ein zwei Meter nebeneinander. Auf einer Bootstour kamen wir den Kaimanen so nahe, dass wir sie mit ausgestreckten Armen hätten berühren können.

Wir hatten phänomenales Wetter und sahen Sonnenaufgänge sowie Sonnenuntergänge auf der riesigen Lagune Luna. Sie hat die Form eines grossen Halbmondes und auf der Halbinsel im Zentrum, liegt das Dorf Pelligrini. Das Farbspiel auf dem Wasser war echt atemberaubend.

Aber nun zu den Vögeln. So viele unterschiedliche Vögel auf so engem Raum hatten wir wirklich noch nie gesehen. Dies sind nur die wenigen, die wir auf Kamera festhalten konnten, wollten.

Morgens um drei Uhr mussten wir an unserem letzten Tag in Pellegrini aufstehen. Es gibt hier nur einen alten Stadtbus, der jeweils um diese Uhrzeit drei Stunden über die Kiesstrasse nach Mercedes fährt. Da kamen wir schön früh um sieben an, damit wir uns auf den Weg nach Rosario machen konnten. Nach etwa zwei Stunden waren wir richtig gehend konfus. Wir fragten die Information, die Touristeninformation, mehrere Busschalter, die Administration, das Putzpersonal, einen Lieferdienst und eine alte Frau, die uns angesprochen hatte, wie man nach Rosario kommt. "Es geht nicht von hier." - "Es gibt einen direkt Bus bei Firma XY." - "Nein wir haben keinen direkt Bus" - "Ab Goya fährt am Mittag ein Bus nach Rosario" - "Nach Goya fährt erst am Nachmittag ein Bus" - "Ihr könnt mit dem Taxi nach Goya." - "Geht ja nicht mit dem Taxi, das ist ein Vermögen!" - "Ihr könnt auf Curuzu und von dort direkt nach Rosario" - "Nein, ich weiss nicht ob es in Curuzu Busse nach Rosario gibt" - "Über Concordia geht bestimmt" - "In Concordia fahren jedoch nur Nachtbusse" - "Ihr könntet zurück nach Corrientes und von da mit dem Nachtbus"... AAAAHHHHH!! Zum Glück trafen wir auf den älteren Herr, den wir jeden Tag in Pellegrini sahen und mit welchem wir schon mehrfach geplaudert hatten. Er half uns eine Busfahrt zu organisieren. So fuhren wir schlussendlich am Nachmittag nach Corrientes, assen dort Abendessen und mit einem schönen Nachtbus ging es nach Rosario. Unsere reine Wartezeit in Mercedes und Corrientes hätte genügt, um mit dem Auto noch Rosario zu fahren. Rosario ist die Glace-Stadt von Argentinien und der Geburtsort der argentinischen Flagge. So muss man hier natürlich mindestens einmal Glace essen gehen und das "Monumento de las Banderas" besteigen.

Von hier aus flogen wir nach Bariloche. Damit ihr euch ein Bild machen könnt, Bariloche bedeutet in etwa "Menschen hinter dem Berg". Ah ja, und an unserem ersten Tag hat es geschneit.

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